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BASICS – Geld ausgeben: Wofür es sich lohnt, ein paar € in die Hand zu nehmen

BASICS – Geld ausgeben: Wofür es sich lohnt, ein paar € in die Hand zu nehmen

Wir arbeiten, um Geld einzunehmen. Manchmal müssen wir aber erst Geld ausgeben, um arbeiten zu können, um Geld einzunehmen. Was nützt? Hier ein paar Ideen.

Von Jan Schwenkenbecher

Die Soforthilfe-Programme haben es uns ganz offiziell vor Augen geführt: Wir freie Journalist*innen geben kaum Geld aus. Was natürlich irgendwie nicht stimmen kann, wir geben so viel Geld aus wie jede*r andere auch. Also anders: Wir freie Journalist*innen haben kaum Betriebsausgaben. So. Das kann schon eher hinkommen. Es liegt ja auch nahe, wenn man wie wir sein eigenes Geschäft ist und der Gewinn gleich Einnahmen minus Ausgaben ist, dass man seine Ausgaben eher klein hält. Dennoch, und darum soll es im Folgenden gehen, können sich einige Ausgaben lohnen – sei es für die Finanzen oder fürs Gemüt.

Die Geschäfts-Essentials

Um ein paar Ausgaben kommt ihr also wirklich nicht herum. Laptop, Strom, Handy – ja, und das war’s eigentlich auch schon. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die einfach zum Geschäftsmodell freie*r Journalist*in dazugehören. Sie sind zwar optional, in den allermeisten Fällen aber dürfte es keinen Sinn machen, diesen Posten einzusparen. Gemeint sind allen voran der Posten Steuerberater*in und der Posten Versicherungen.

Ein*e Steuerberater*in erleichtert die Arbeit ungemein. Die Zeit, die man sonst dafür aufwenden würde, jede Quittung einzutippen oder zu recherchieren, ob es sich nun um „Vorsteuerbeträge aus Leistungen im Sinne des § 13b UstG“ oder um „Vorsteuerbeträge aus dem innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen (§ 15 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 UStG)“ handelt, die ist doch besser in einen weiteren Auftrag investiert. Dann gibt es auch keine Probleme mit dem Finanzamt. Jede*r macht, was er oder sie kann: die Steuerberaterin berät bei der Steuer, der freie Journalist schreibt. Handelt es sich bei der Steuerberaterin auch noch um eine gute Steuerberaterin, spart man allein durch ihre Expertise vielleicht sogar ohnehin mehr Geld, als man ihr anschließend als Honorar bezahlt.

Dann sind da noch die Versicherungen, die hat man halt. Die wenigsten brauchen sie wirklich. Aber man weiß einfach nicht, ob man nicht doch zu den wenigsten gehört. Üblicherweise werden empfohlen: Berufshaftpflichtversicherung und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung. Je nach Sicherheitsbedürfnis oder Tätigkeitsschwerpunkt darf hier um Rechtsschutz-, Arbeitslosen- und Reiseversicherung ergänzt werden.

Weiterhin zu empfehlen sind jegliche Gimmicks, die euch in der Außenwahrnehmung von “irgendwer mit Laptop” zu “professionelles Journalist*innenbüro” transformieren. Also her mit Visitenkarten, Website, eigenem Logo und Fotos von der Fotografin.

Altersvorsorge

Die meisten von uns dürften in der Künstlersozialkasse aufgenommen sein. Wir zahlen also dort in die gesetzliche Rentenversicherung ein und bekommen unseren jetzigen finanziellen Aufwand einst in monatlichen Raten wieder zurück. Rente eben. Wer nicht so ganz daran glaubt, dass die Rente in 10, 20, 30, 40 oder gar 50 Jahren (wer weiß schon, wie jung ihr seid oder wie sich das Renteneintrittsalter bei steigender Lebenserwartung entwickeln wird) noch sicher ist oder wer anzweifelt, dass sie zum Leben reicht, der sorge zusätzlich anderweitig vor.

Hier muss nun jede*r selbst wissen, was zu ihr passt, an Angeboten mangelt es nicht:

Fort- und Weiterbildungen

Der ein oder anderen Freien ist gerade der ein oder andere Auftrag weggebrochen. Das ist doof, bietet vielleicht aber die Chance, endlich mal den einen Workshop oder die eine Fortbildung zu machen, die schon seit Monaten in eurer Lesezeichen-Liste im Browser herumlümmelt. Es gibt ja allerlei: vom wenige Minuten dauernden Online-Tutorial über den Tages-Workshop bis hin zum zwei- oder dreitägigen. Und auch für den knappen Geldbeutel gibt es das passende Angebot. Als Beispiel sei die Reporterfabrik genannt: Viele Workshops sind kostenlos, bei den anderen kostet es fünf, 15 oder 25 Euro, daran teilzunehmen.

Zeitungs- und Zeitschriften-Abos

Wer Artikel an Zeitungen, Zeitschriften oder Blogs verkaufen möchte, muss wissen, was in diesen Zeitungen, Zeitschriften oder Blogs schon so steht. Bekommt ihr nicht ohnehin die Ausgaben zugeschickt, empfiehlt sich ein Abo für eure regelmäßigen Auftraggeber*innen. Mal angenommen, ein*e freie*r Journalist*in hätte Psychologie studiert und würde über Psychologie und Neurowissenschaften schreiben, empfähle sich ein Abo von “Gehirn & Geist”. So würde diese*r Journalist*in keine Themen vorschlagen, die schon im Magazin stehen. Außerdem sind wir ja Expert*innen in unseren Bereichen und müssen informiert sein. Jene*r Beispiel-Journalist*in wäre also durch das Abo in psychologischen und neurowissenschaftlichen Themen auch immer up to date.

Und sind die Abo-Kosten nun Betriebsausgabe? Das ist pauschal nicht so leicht zu beantworten. Als Faustregel gilt: Zeitungen nein, Zeitschriften ja. Sofern die Lektüre der Arbeit und nicht dem Privatvergnügen dient – aber wer kann das bei uns schon unterscheiden?

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Festnetz-Telefon

Ihr braucht ein Festnetz-Telefon! Okay, vielleicht nicht unbedingt. Aber ich brauchte ein Festnetz-Telefon, als ich mich selbstständig gemacht habe! Zu einem erfolgreichen Geschäft gehört doch ein Büro (Arbeitszimmer habe ich), und da muss doch ein Festnetz-Telefon stehen. Vielleicht eine etwas antiquierte Vorstellung, mag sein. War mir egal, ich wollte mein Festnetz-Telefon haben.

Jetzt habe ich also eines. Richtige Entscheidung? Absolut! Ich fühle mich professioneller, wenn ich, um Interviews zu führen, einen Hörer abnehmen kann. Und wenn ich dann zum Wählen Nummerntasten drücke. Und wenn ich während des Gesprächs unbewusst versuche, die Schnur zu entkringeln. Und wenn es einfach nur dasteht.

Vielleicht muss es für euch kein Festnetz-Telefon sein. Aber habt ihr nicht auch irgendwas, das ihr habt oder haben wollt, einfach um euch damit professioneller zu fühlen? Aktenordner, Whiteboard, Co-Working Space oder den perfekten Bürostuhl? Den Unentschlossenen sei gesagt: Es lohnt sich.

Tools, Tools, Tools

So gut wie alle Lebensbereiche werden ja gerade durch die Digitalisierung verbessert. Naja, oder zumindest verändert. Auch der Journalismus. Es gibt zahlreiche Tools, die uns digital unter die Arme greifen können, wenn wir sie nur lassen. Zur Organisation, Koordination, Motivation (siehe hier), Transkription (siehe hier). Manche kosten nichts, manche kosten Daten, manche Kosten Geld. Welches Tool hilft und welches nicht, das muss wohl jede*r selbst ausprobieren. Aber vielleicht hilft ja dieser Ansatz: Taucht im Arbeitsalltag das nächste Problem auf, könnt ihr euch ja mal fragen, ob es nicht ein Tool gibt, das euch weiterhelfen kann.

Urlaub

Nur eine erholte Arbeiterin ist eine produktive Arbeiterin. Ein Satz, der, würde ihn eine Top-Managerin aussprechen und damit Stellung zur Urlaubs-Policy ihres Unternehmens beziehen, so kalt und kapitalistisch klänge wie kaum ein zweiter. Stimmen mag er trotzdem (auch wenn die positiven Effekte von Urlaub gegen den Stress der Arbeit meist nur zwei, drei Wochen anhalten – aber man freut sich ja auch vorher schon ein paar Wochen lang auf die Auszeit). Doch wir Freie sind Manager*in und Angestellte*r zugleich, und also dürfen wir den Satz sagen. Ja, Urlaub kostet Geld. Aber mal davon abgesehen, dass Urlaub schön ist, kann man ihn eben auch buchhalterisch rechtfertigen: Wenn wir uns pausenlos kaputtrackern, verdienen wir irgendwann gar nichts mehr.

Die Freienbibel

Das am allerbesten ausgegebene Geld – für euer Geschäft, für euch persönlich, für uns, für alle, für Weltfrieden und Weltklima – ist jenes Geld, das ihr für die Freienbibel 2 ausgebt. Auf Steady oder später live und in Farbe gedruckt.

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