Now Reading
BASICS – Kunden finden: Wo bekommt ihr neue Auftraggeber*innen her?

BASICS – Kunden finden: Wo bekommt ihr neue Auftraggeber*innen her?

Ob neu im Geschäft oder schon lange dabei – ab und an muss jeder von uns mal nach neuen Kund*innen suchen. Hier stehen ein paar Strategien, wie ihr sie findet.

Von Jan Schwenkenbecher

Putt, putt, putt, ja, wo seid ihr denn? Gar nicht so leicht zu finden. Putt, putt, putt. Putt, putt, putt.
Ahhh, da seid ihr. Hab ich euch, meine lieben Auftraggeber*innen, habe ich euch doch gefunden. Ging ja dann doch ganz gut.

Zu Beginn des nächsten Basics-Teils eine simple Wahrheit: Wer etwas verkaufen will, braucht jemanden, der oder die es kauft. Für euch freie Journalist*innen sind das eure Auftraggeber*innen. Den ein oder anderen regelmäßigen Kunden hat man einfach so – weil man sich noch aus einem Praktikum kennt oder eine Bekannte da mal was vermittelt hat. Irgendwann kommt aber im Leben eines und einer jeden Freien der Moment, in dem wir uns auf die Suche nach neuen Kund*innen machen müssen. Weil wir neu im Geschäft sind, weil Stammkunden wegbrechen, weil wir uns umorientieren. Für diese Zeiten seien hier nun ein paar Tipps zusammengetragen, wo und wie ihr neue Auftraggeber*innen finden könnt.

Den Bahnhofskiosk durchstöbern

Der gute alte Bahnhofskiosk ist die wohl beste Auftraggeber-Auftragnehmer-Vermittlungsplattform im Journalismus. Wer weiß, worüber er schreiben möchte – und sei die Nische noch so nischig –, der findet hier das passende Magazin dazu: von der Aufwind (Thema: Modellflugzeuge) über The Knitter (Stricken) und die Münzen Revue (Münzen) bis zum Magazin Virus (irgendwie geht es um Gruselkram in Filmen oder in Computerspielen oder auch woanders). Deckt euch mit allem ein, was interessant sein könnte, und schmökert zu Hause in Ruhe herum.

Habt ihr eure Top-Liste erstellt, dann wisst ihr natürlich noch nicht, ob in den Zeitungen oder Zeitschriften auch Freie oder nur festangestellte Journalist*innen schreiben. Googelt den ein oder anderen Autor*innen-Namen, schon wisst ihr mehr. Und werft einen Blick ins Impressum, bei manchem Magazin findet sich dort sogar ein Hinweis, an wen sich Freie mit Themenvorschlägen wenden können.

Den Bahnhofskiosk gibt es mittlerweile natürlich auch im Internet. Hier, hier oder hier findet ihr jede Menge Zeitschriftentitel – alles potenzielle Arbeitgeber*innen. Das Lektüre-Angebot dürfte dort sogar eher noch umfassender sein als im Bahnhof. Einzig auf gestresste Pendler und pommespickende Tauben und pommespickende Pendler und gestresste Tauben müsst ihr dort verzichten.

Sich finden lassen

Wer keine Lust hat, selbst zu suchen, kann sich auch einfach suchen lassen. Kümmert euch darum, dass ihr im Internet gut gefunden werden könnt (eigene Website, Freischreiber- oder torial-Profil), dass an den jeweiligen Stellen eure inhaltliche Ausrichtung und eure Expertise klar dargestellt ist und dass es einen schnellen und einfachen Weg gibt, euch zu kontaktieren (E-Mail, Telefon). Dann legt ihr euch in die Sonne und wartet – oder fahrt zum Bahnhofskiosk.

Zwei Punkte gilt es bei dieser Strategie allerdings zu bedenken. Erstens ist es die Einschätzung des oder der Kund*in, ob ihr beide gut zusammenpasst, wenn du angefragt wirst. Es ist nicht deine Einschätzung. Das macht einen Unterschied. Überlege also gut, ob ihr auch wirklich zusammenkommen solltet. Zweitens verliert ihr ein dickes Stück Autonomie, wenn ihr nur noch Themen bearbeitet, die an euch herangetragen werden. Für den Spaß an der Sache mag es für den ein oder anderen wichtig sein, immer auch genügend eigene Themen umzusetzen – und die können nur von euch selbst kommen.

Die Kolleg*innenschau

Sucht nach Kolleg*innen, die das Gleiche tun wie ihr – die also auch über Modellflugzeuge oder Münzen schreiben. Es gibt sie. Die Freischreiber- oder torial-Profile könnt ihr nach den Schwerpunkten der Journalist*innen filtern, daneben gibt es noch weitere Datenbanken. Und auch eine schlichte Suchmaschinen-Anfrage („FACHGEBIET + Journalist“) dürfte euch auf die ein oder andere Website lenken. Habt ihr ein paar Fachkolleg*innen gefunden, schaut einfach mal nach, wo die sonst noch so schreiben. Da stoßt ihr sicher auf das ein oder andere Medium, von dem ihr noch nie gehört habt.

Auch interessant
Kartoffel

Vergesst mal Print

Glücklicherweise sind die allermeisten unserer Texte mehr wert als die Tinte, mit der sie gedruckt werden, und das Papier, auf dem sie stehen. Das heißt: Sie haben einen Wert, der über den Materialwert hinausgeht. Und das heißt: Man kann sie auch verkaufen, ohne dass sie gedruckt sind. Und daaaaaas hei … , ach, ihr wisst schon, Internet und so. Nicht alle Texte, für die Auftraggeber*innen Geld bezahlen, liegen im Bahnhofskiosk herum.

Macht euch schlau: Welche Websites und Blogs gibt es in eurem Fachgebiet? Haben die Verlage eigene Online-Auftritte mit eigenen Redaktionen und eigenen Texten? Gibt es reine Online-Magazine? Und wer schreibt da so? Sind auch Freie dabei? Dann nichts wie ran an die Kontaktaufnahme.

Vermittlungsplattformen

Ja, es gibt sie. Nein, ich habe noch von niemandem gehört, dass er oder sie damit erfolgreich einen Auftrag oder gar eine langfristige Kundin gewonnen hätte. Vermittlungsplattformen, ihr Versprechen geht so: Journalist*innen melden sich an, erstellen ein Profil, und wenn Auftraggeber*innen einen Text brauchen, schauen sie in die Datenbank und picken sich einen Schreiberling heraus. Tatsächlich haben solche Plattformen (die bekannteste dürfte wohl textbroker.de sein) eher den Ruf, zu einem Preisdumping zu führen. Und die ein oder andere Plattform, die es mal gab, gibt es auch schon wieder nicht mehr – man kann sich vorstellen, dass Auftraggeberin und Auftragnehmerin beim Folgeauftrag einen anderen Weg einschlagen als eine provisionspflichtige Vermittlungsplattform. Eine Ausnahme möchte SCRIBERS[HUB] sein, dort soll es kein Preisdumping geben. Kann sein, kann auch nicht sein.

Netzwerken

Wir sind Journalist*innen und als solche kennen wir andere. Nutzt das. Denn die Journalist*innen, die wir so kennen, die bekommen auch Aufträge, und vielleicht haben sie mal keine Zeit, und dann denken sie an euch. Ihr müsst ihnen nur sagen, was ihr so macht, worüber ihr so schreibt. Oder sie sind in einer oder kommen in eine Position, in der sie selbst Autor*innen für Themen suchen – dann denken sie vielleicht an euch. Man kann es gar nicht oft genug schreiben: Vernetzt euch. Das bringt jede Menge Vorteile – zum Beispiel vielleicht den nächsten Auftrag.

Bild: shutterstock.com | matka_Wariatka

Kommentar anzeigen (1)
  • Hallo Jan,
    Danke für die guten Tipps. Das mit dem Bahnhofskiosk und den entsprechenden Internetseiten habe ich auch schon öfter versucht – erinnert mich an die Suche nach der Stecknadel im berühmten Heuschober. Viele, viele Anrufe mit dem Ergebnis, dass die Redaktionen
    – nichts oder fast nichts bezahlen
    – alles selber schreiben
    – die Texte von ehrenamtlichen Fachleuten geschrieben bekommen, die damit honoriert werden, dass sie ihren Namen gedruckt sehen (bei Fachzeitschriften die Regel)
    – online eh nichts bezahlt wird
    Deshalb suche ich noch Tipps, wie man da gezielter vorgehen kann. Danke!
    Robert

Antworten

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht

Nach oben