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Am Feuer

Am Feuer

grünes Lagerfeuer

Von Jens Eber

Irgendeiner schießt ja immer quer. Heute mach ich das mal. Entgegen unserer Unterzeile „Profiwissen für freie Journalist*innen“ will ich hier weniger auf Wissen setzen, dafür auf einen Anstoß für die Krisenzeit.

Etliche freie Journalist*innen arbeiten schon heute in Teams, aber das Gros von uns sind Einzelkämpfer*innen. Das ist auch gut und prima, wenn alles normal läuft. Normal ist aber erst mal vorbei, und die Soloschreibenden sitzen jetzt ziemlich einsam in den Büros und Arbeitszimmern. Oder auch nicht, wenn sie sich den Raum mit heimarbeitenden Partner*innen oder den Kindern teilen müssen.

Jedenfalls: Sorgen haben wir jetzt alle, bis hin zur nackten Existenzangst, wenn an allen Ecken die Aufträge dahinbröseln und niemand mehr weiß, ob die Auftraggeber*innen selbst diese Krise überleben werden. Nicht minder unangenehm ist es, vor den teils sehr komplizierten Formularen für die Soforthilfe der Länder und des Bundes zu sitzen. Um Honorare verhandeln? Ja, das tun wir mit zunehmendem Selbstbewusstsein. Aber auf diese Art wieder vor Augen geführt zu bekommen, dass unser Geschäftsmodell bei aller Anstrengung verdammt fragil ist – nicht schön. Wer da Angst bekommt, ist beileibe kein Feigling.

Angst allein zu bewältigen ist ungeheuer anstrengend. Wer Angst hat, sucht Schutz. Das ist einer der wichtigsten Reflexe. Die finanzielle Sorge ist dabei das eine große Thema. Dem versuchen wir hier in der Freienbibel mit der großen FAQ zu begegnen, die Katharina Jakob und Oliver Eberhardt ständig aktualisieren.

Genauso wichtig ist in dieser Ausnahmesituation die emotionale Stabilität. Journalist*innen sind geübt darin, cool zu bleiben (oder wenigstens so zu wirken), aber das, was wir gerade erleben, erschüttert viele von uns tief. In Familien kann man in Notzeiten zusammenrücken, sich gegenseitig Halt geben. Das ist so hilfreich, wie am Lagerfeuer zu sitzen, die archaische Kraft wärmenden Feuers zu spüren, die uns vor dem Erfrieren schützt und wilde Tiere fernhält.

Freischreiber ist so ein Lagerfeuer, nicht nur in Notzeiten wie diesen. Wir sind der Überzeugung, dass wir eine Freien-Familie sind. Wie in jeder Familie mag es mal knirschen, aber wenn es hart auf hart kommt, rücken wir zusammen, zünden das Lagerfeuer an, wärmen uns daran und geben diese Wärme weiter. Zur Not auch virtuell.

Lagerfeuer in Zeiten der Krise

Ganz praktisch funktioniert das in unserer Digitalen Mittagspause, die seit März mehr oder weniger regelmäßig stattfindet. Per Zoom versammeln sich Freischreiber aus allen Regionen um ein imaginäres Feuer, tauschen sich über Auftragsverluste und Soforthilfen aus, plaudern vielleicht einfach nur – und sehen, dass sie nicht allein sind. Die Digitale Mittagspause ist Freischreiber-Mitgliedern vorbehalten, nach dem Login auf unserer Website.

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Da draußen lodern noch viele Lagerfeuer, bei Journalist*innengemeinschaften wie den Riffreportern, den next media makers oder den Fotokolleg*innen von Freelens. Wenn ihr eins seht, lasst euch für einen Song auf der Gitarre nieder, wärmt euch daran auf!

Nicht ganz so unmittelbar, weil wir uns dabei nicht sehen können, funktioniert das Lagerfeuer im Freischreiber-Slack-Channel. Trotzdem erweist sich dieses Medium jetzt als starke Info-Börse, in der im Moment der Channel „steuernundfinanzen“ gefragt ist. Wer als Freischreiber-Mitglied noch nicht angemeldet ist, kann unter kontakt@freischreiber.de einen Einladungs-Link anfordern. Denn auch in Slack gilt: Je mehr Kolleg*innen wir dort sind, desto mehr Wärme können wir verbreiten.

Für mich sind die virtuellen Treffen am Feuer der Anstoß, weiter an diesen Beruf zu glauben. Auch wenn wir danach alle unsere Pferde satteln und in verschiedene Richtungen davonreiten.

Bild: shutterstock.com | nishankart

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