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Frei im Kopf: Inspirations-Camp, Woche 8

Frei im Kopf: Inspirations-Camp, Woche 8

Die Autorin im Selbstversuch mit dem Klassiker „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Ein Zehn-Wochen-Programm mit Katharina Jakob

Blockierungen durchbrechen

Woche 8. Es ist ein Auf und Ab mit diesem Zehn-Wochen-Kreativitätsexperiment. Übungen, die riesigen Spaß machen, wechseln sich ab mit solchen, die ich keinesfalls ausprobieren will. Und dann stelle ich fest, dass ich im Buch doch immer wieder dorthin zurückblättere. Lese dann Sätze über den „inneren Zensor“. Oder von „Perfektionismus“ und „Blockierungen durchbrechen“. Julia Cameron zielt in vielen Varianten immer wieder auf einen einzigen schmerzhaften Punkt: dass wir selbst es sind, die uns am stärksten daran hindern, kreativ zu sein.

Gab es in Woche 6 eine Schutzkarte gegen destruktive Kritik von außen, geht es jetzt um eine Methode, den Feind im Inneren lahmzulegen. Diese Stimme in uns, die jeden kreativen Impuls schlechtredet und Sachen sagt wie: „Das taugt doch nichts“, „damit blamierst du dich nur“ oder „was für ein alberner Gedanke“. Sie rupft aufkeimende Ideen aus, als wären sie Unkraut. Dabei schreibt Cameron: „Es ist wichtig zu wissen, dass der Zensor seine härtesten Angriffe gegen unsere originellsten Ideen einsetzt.“ Mit Galgenhumor ließe sich daraus ein Indikator schaffen: Je lauter der innere Schreihals, desto besser die Idee.

Den Schreihals abwürgen

Aber vermutlich bringt es mehr, ihn stillzulegen. Ich entscheide mich für die Übung „Blockierungen durchbrechen“. Sie geht so: „Denken Sie an ein Projekt, das Sie beginnen möchten“ (meine Buchidee, die ich seit einigen Wochen mit mir herumtrage). „Zählen Sie alle Ressentiments (Wut) auf, die Sie in Zusammenhang mit diesem Projekt haben.“ Ich sitze auf dem Sofa mit meinem Notizbuch und weiß sofort, was mich an meiner Buchidee wütend macht – und was mich daran hindert, sie umzusetzen. Diese irrsinnige Arbeit, die damit verbunden ist. Dabei ist Arbeit ja genau das, was ich reduzieren will, um wieder mehr Spaß zu haben und um kreativer zu sein. Das passt nicht zusammen.

„Nennen Sie alle Ängste in Bezug auf das Projekt“, geht es in der Übung weiter. „Dass ich es nicht hinkriege“, schreibe ich in mein Notizbuch, „dass ich wieder so erschöpft sein werde wie beim letzten Mal.“ Als ich vier Monate durchschreiben musste, um den Abgabetermin noch zu schaffen. Aber es gibt noch eine andere Angst, und die gräbt mich ebenfalls um: „Dass mir jemand mit dem Thema zuvorkommt, wenn ich nicht bald anfange.“ Es wird jetzt geradezu verlockend, die Idee einfach fallen zu lassen, ich könnte mir viel Stress ersparen. Aber Cameron hat vorgesorgt. „Fragen Sie sich, was Sie davon haben, wenn Sie diese Arbeit nicht machen.“

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Auf der Jagd

Ruhe. Steht jetzt in meinem Notizbuch. So allein für sich sieht das Wort aus wie eine Grabinschrift. Fühlt sich nicht gut an. „Auf eine super Geschichte verzichten müssen“, schreibe ich als Nächstes. Ich glaube, das ist für Journalist*innen etwas nahezu Unmögliches. Freiwillig und ohne Not eine Geschichte sausen lassen, die man für groß hält? Wir sind Jäger*innen. Entdecken wir eine Fährte, eine noch ganz frische Spur, weil das Tier erst vor Minuten durchgezogen ist – und dann gehen wir ihr nicht nach? Wackeln nach Hause, legen uns aufs Ohr? Never ever.

Ich muss sagen, Camerons Übung hat für Klarheit gesorgt. Jetzt weiß ich, dass ich die Jagd dem Nickerchen vorziehe. Und ich habe auch eine leise Idee, wie ich das mit der Arbeit lösen könnte, damit sie nicht zur Strapaze wird. “Dumme Idee”, “klappt sowieso nicht”, mault was in mir. Den Kerl kenne ich ja jetzt. Ruhe in Frieden.

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