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Frei im Kopf: Inspirations-Camp, Auftakt

Frei im Kopf: Inspirations-Camp, Auftakt

Die Autorin im Selbstversuch mit dem Klassiker „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Ein Zehn-Wochen-Programm mit Katharina Jakob

Das Experiment

Bist du freie Journalist*in, hast du ein Problem: Dein Beruf ist keine Kunst, sondern kreatives Handwerk. Dummerweise aber brauchst du, um gut zu sein, all das, was auch Künstler*innen brauchen, um gut zu sein. Niemand will langweilige, uninspirierte Texte lesen. Auch keine soliden, routinierten, die alles schon wissen und keine Fragen aufwerfen. Ein guter Text verschlägt einem den Atem. Er ist wie eine Taschenlampe, die in die Tiefe leuchtet und uns auffordert, da mit reinzugehen. Dieser Text hier (“Negativ und positiv” von Kai Kupferschmidt) ist ein Beispiel. Und auch dieser (“Was ist Reiten?” von Jenny Friedrich-Freksa) oder dieser (“Auf der Flucht” von Roland Schulz). Und der hier (“Kriegerin” von Else Buschheuer). Sie sind alle völlig unterschiedlich, haben aber eines gemeinsam: Die Autor*innen haben richtig was riskiert.

Um solche Texte hinzukriegen, braucht es Inspiration. Bevor ich Journalistin wurde, war ich Schauspielerin. Auch damals war ich abhängig von dieser Schubkraft, die einem die Inspiration verleiht. Doch damals hatte ich Hilfe, zum Beispiel das Buch von Julia Cameron „Der Weg des Künstlers“. Es ist 1992 geschrieben worden. Zu dieser Zeit gab es – zumindest für mich – noch nicht mal Internet. Ich hab das Buch lange in meinen Regalen suchen müssen. Aber es steckt randvoll mit Übungen, die das kreative Schaffen befeuern, den Erfindungsgeist wachrufen, das brennende Vergnügen auslösen, das gute kreative Arbeit ausmacht.

Ab ins Inspirations-Camp

Was damals geholfen hat, müsste auch jetzt noch was taugen, denke ich mir. Nach 14 Jahren freiem Schreiben, Hunderten von Texten und drei Büchern bin ich mir selbst zu routiniert geworden. Ich weiß, wie es geht. Und genau das ist der Tod von allem, was kreativ ist. Außerdem wohnt da wieder ein Buch in mir, ich hab nur noch überhaupt keine Ahnung, welches. Ich brauche also einen guten Schwung Inspiration.

Und deshalb gehe ich jetzt mit Julia Camerons Buch in eine Art Inspirations-Camp. Ich turne zehn ausgewählte Übungen durch und teile sie mit euch. Wenn ihr nicht mehr weiterwisst, weil ihr schon alles erzählt habt, weil Schreiben euch langweilt, oder im Gegenteil, weil ihr so eine grauenhafte Ehrfurcht davor habt, dass ihr nicht anfangen könnt, wenn ihr stattdessen lieber den Hund bürstet, Unkraut jätet, die Küchenschränke ausräumt, obwohl die Deadline immer näher heranrückt, dann könnte euch das VIELLEICHT helfen. Es ist nur ein Experiment. Aber das ist ja das Aufregende: Experimente sind Türen ins Ungewisse. Genau das, was wir brauchen. (Tatsächlich schreibt die Autorin Julia Cameron in ihrem Blog, wie gut ihre Methoden durch die Corona-Krise helfen können.)

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Das also ist der Vorschlag: zehn Übungen, eine pro Woche, immer freitags vorgestellt. Ich mache sie und erzähle euch dann, was die jeweilige Übung in mir ausgelöst hat, ob ich sie fruchtbar oder furchtbar fand. Und ihr macht damit, was ihr wollt. Deal?

Julia Cameron. Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. Knaur.

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