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Tools nach Typ: Sechs Programme, mit denen ihr eigene Projekte gefördert bekommt

Tools nach Typ: Sechs Programme, mit denen ihr eigene Projekte gefördert bekommt

Glühbirne startet als Rakete

Nicht immer hat man für eine gute Idee gleich eine Redaktion an der Hand. Ich spreche aus Erfahrung: Sensorjournalismus war vor fünf Jahren noch terra incognita. Wer will schon ein Experiment mit Sensoren und Urzeitkrebsen machen? Zum Glück bin ich dazu gekommen, es fördern zu lassen. Hier stelle ich sechs Labore für neuen Journalismus vor. Was alle verbindet: den Spaß an neuen Ideen und eine engmaschige Betreuung durch erfahrene Mentor*innen.

1. Für Technologie-Aficionados: das Medieninnovationszentrum Babelsberg

Eine halbe Stunde von Berlin entfernt hat das Medieninnovationszentrum Babelsberg seinen Sitz. Das MIZ ist Teil der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) und finanziert sich durch Rundfunkbeiträge. Für Medienprofis gibt es eine Förderung von 37.500 Euro für Projekte, die einen technologischen Innovationswert haben. Das kann ein Baukasten für interaktive und non-lineare Hörspielformate sein, ein Sensorprojekt für Radverkehr oder Virtual Reality für konstruktiven Journalismus. Hört sich spacig an? Total. Wenn man eine technologisch innovative Idee hat, bekommt man beim MIZ ein Team, das für die Idee brennt. Und man trifft andere Teams, die sich in solche Ideen verliebt haben. Das MIZ ist einer dieser Orte, an dem man spürt, wie Technologie den Journalismus besser machen wird. Für die Bewerbung braucht es einen Dreiseiter mit Finanzierungsplan, über die Vergabe entscheidet dann eine Jury nach einem kurzen Vor-Ort-Pitch. Projekte erhalten die Gelegenheit, sich auf der Mediaconvention Berlin vorzustellen.

2. Für Codejunkies: der Prototypefund

Manchmal ist es ein Stück Software, das für ein Projekt fehlt. Für unsere Dialogrecherche 50survivors nutzen wir ein selbstentwickeltes Stück Software, um einen Dialog mit 50 Menschen zu führen. Der Prototypefund vergibt 47.500 Euro für Open Source Projekte. Das Geld kommt von der Bundesregierung. Die Ausschreibung richtet sich nicht direkt an Journalist*innen, sie haben aber Chancen, denn es geht um “Public Interest Tech”. Die Antragstellung ist mithilfe eines Formulars gut strukturiert. Hier müssen Fragen beantwortet werden wie: Welches gesellschaftliche Problem willst du mit deinem Projekt lösen? Und: Wie willst du dein Projekt technisch umsetzen? Es geht technologisch zur Sache. Schon hier ist es wichtig, eine*n Coder*in im Team zu haben. Am 1. August 2020 startet die neunte Bewerbungsrunde.

3. Für Reporter*innen zwischen Rhein und Ruhr: Vor.Ort NRW

Das Journalismuslab von Vor.Ort NRW ist ein Inkubator für Nordrhein-Westfalen. Dahinter steht die Landesanstalt für Medien NRW, die das Lab mit Mitteln aus dem Rundfunkbeitrag finanziert. “Wir unterstützen Medienschaffende dabei, professionellen Journalismus innovativer, nutzerzentriert und konkurrenzfähig zu machen.” Das Media Innovation Fellowship dauert sechs Monate. 

Leute, die dort gefördert wurden, haben schon einen autonom fahrenden Roboter für Kamerafahrten und ein KI-gesteuertes Portal für hyperlokale News erfunden. Wie ihr seht, auch ganz schön techniklastig. Alle Projekte müssen auf NRW ausgerichtet sein. Bevor man eine Bewerbung einreicht, lohnt es sich jedenfalls, schon einmal mit der Idee anzuklopfen. 

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4. Für Skalierer*innen: nextMedia.Hamburg

Wer keine Angst davor hat, sein Projekt für Venture Capital schmackhaft zu machen, sollte sich bei nextMedia bewerben. Journalismus heißt hier Content. Die Förderung zielt darauf ab, aus einer Idee ein Start-up und ein Geschäftsmodell zu machen. NextMedia ist Teil der Hamburg Kreativ Gesellschaft und hat beste Verbindungen ins Hamburger Ökosystem. Im Programm Media Lift gibt es bis zu 15.000 Euro pro Team. Der Blick auf das eigene Tun wird unternehmerisch. Die Crew gibt nützliche Hinweise.

5. Für Wissensmaster: die Masterclass Wissenschaftsjournalismus

Wer für Wissenschaftsjournalismus brennt, sollte sich für die Masterclass bewerben. Riffreporter-Gründer Christian Schwägerl entwickelt mit seinen Fellows innovative Projekte, Riffreporter und Robert-Bosch-Stiftung helfen 12 Journalist*innen beim Verwirklichen. Frühere Projekte waren beispielsweise eine Expedition in die Klänge der Natur, ein Themenfinder Insekten oder ein Spiel zur Agrarwende (von Bibel-Kollegin Katharina). In der aktuellen Runde werden Projekte in Kooperation mit Bibliotheken umgesetzt. Die Fellows erhalten 5000 Euro netto plus Reisekosten. Die Masterclass eignet sich für alle, die gern Feedback von gleichgesinnten Kolleg*innen bekommen und als Ergebnis eher ein journalistisches Format als ein Start-up im Kopf haben. 

6. Für Pitcheritas: das Medialab Bayern

Ob in Berlin, Potsdam, Hamburg oder München: Ein Weg in die Zukunft des Journalismus führt über Medialabs. Aus eigener Erfahrung: Es gibt nichts Schöneres, als etwas zu erfinden, von dem man schon länger träumt. Es macht Spaß, zu gründen, Teams zu finden. Und es ist okay, eine Idee auszuprobieren, die vielleicht doch nicht das nächste große Ding ist.

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Das beste Marketing unter den Medialabs machen die Bayern. Geschäftsführerin Lina Timm und ihr Team setzen auf die unkomplizierte Förderung verrückter Ideen: Ob eine Fitness-App fürs Familienleben, eine Data-as-a-Service-Plattform oder den KI-basierten digitalen Ingenieur. Schon 44 Medien-Start-ups haben die Bayern gefördert. Im Media-Start-up-Fellowship bekommen Start-ups bis zu 40.000 Euro Prototyping-Budget und zusätzlich weitere 10.000 Euro als Beratungsleistungen. Die Förderung ist gestaffelt in Stufen: Nach jeder Stufe gibt es eine Pitch-Runde für die nächste Portion Geld. Neben Geld, Mentoren und Netzwerk gibt es einen Arbeitsplatz im Co-Working-Space. Bewerbung, fertig, los!

Offenlegung: In meiner Karriere habe ich sowohl Geld von MIZ Babelsberg, der Bosch-Stiftung und dem Prototypefund bekommen und mich bei einigen anderen schon vergebens beworben. Ich bin Genosse bei Riffreporter.

Bild: shutterstock.com

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