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BASICS – Sein und Soll kalkulieren: Was brauche ich zum Leben?

BASICS – Sein und Soll kalkulieren: Was brauche ich zum Leben?

Taschenrechner und Münzen auf Tisch

Corona ist da, die Aufträge sind weg. Zeit genug also, sich mal wieder ums Grundlegende zu kümmern und einen kritischen Blick auf das eigene Geschäftsmodell zu werfen. Mal abgesehen von der Corona-Zeit: Kommt Geld rein, kommt es regelmäßig – und die vielleicht wichtigste Frage: Kommt genug?

Von Jan Schwenkenbecher

Letztere Frage dürfte zweifelsohne die wichtigste sein, und um sie richtig beantworten zu können, stellt sich zunächst mal eine weitere Frage, die zu ergründen für jedes gesunde Geschäft ganz essenziell ist: Wie viel ist genug?

Ohne jetzt zu moralphilosophisch zu werden, ist es ja dennoch ein bisschen so wie mit dem Kind, das plötzlich vor den Eltern steht und fragt: Mama, Papa, sind hundert Euro viel? Tja, kommt eben darauf an. Für ein Eis ja, für ein Auto, meistens, nicht. So ist es auch mit dem Einkommen: Dem einen genügt für den ganzen Monat, wovon der andere nicht mal seine Miete zahlen kann. Wichtiger, als „viel“ zu verdienen, ist es also, zu wissen, ob man verdient, was man braucht. Abgesehen davon, dass es schlicht interessant ist, gibt es aber auch ein paar gute Gründe dafür, seine Ausgaben genau zu kennen.

Drei gute Gründe fürs Rechnen

Der erste und vielleicht wichtigste Grund: Es beruhigt. Das Wissen darüber, wie viel Geld jeden Monat vom Konto abgeht und wofür, befreit aus dem gedanklichen Zwang des „so viel wie möglich“. Da gerät man schnell rein, denn a bissl was geht ja bekanntlicherweise immer.
Wer weiß, wie viel er jeden Monat ausgibt, der weiß, wie viel Geld jeden Monat reinkommen muss. Und wenn er das erreicht hat (und vielleicht sogar schon ein paar Hundert Euro für das Soll-Einkommen des nächsten Monats obendrauf hat), der kann sich guten Gewissens einen schönen Nachmittag machen. Mit den Liebsten Spazierengehen oder Joggen ist ja auch dieser Tage noch gestattet. Zweitens weiß der penible Buchhalter aber auch ganz genau, wie schlimm die Lage tatsächlich ist, wenn mal ein oder auch mehrere Aufträge wegbrechen. Und drittens: Wer weiß, wie viel sein Leben kostet, kann einen Auftrag entspannter ablehnen. Nein sagen ist manchmal wunderschön.

Es hilft also, die Frage nach dem “Wie viel?” für sich selbst zu beantworten, und je genauer man dabei vorgeht, desto besser.

Private vs. berufliche Ausgaben

Zunächst mal hilft es, die Ausgaben in privat und beruflich zu trennen. Welche Ausgaben dabei aufkommen, das ist natürlich für jeden verschieden. Ein paar Klassiker sind:

Im Prinzip genügt es ja, alles aufzuschreiben, wofür man sein Geld so ausgibt, und dahinter die entsprechende Zahl zu setzen. Die Kunst ist, an alles zu denken. Die Planung kann dabei aber auch als Prozess verstanden werden: Wer sieht, dass die Rechnung nicht aufgeht, der passt sie entsprechend an. Dennoch seien bereits vorab ein paar Tipps genannt, damit die eine oder andere Stolperfalle umgangen werden kann.

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  • Besonders schwer zu schätzen sind die Ausgaben für Lebensmittel. Meist kommt dann doch mehr zusammen, als man denkt. Wer sich mit dem Schätzen schwertut oder nach ein paar Monaten merkt, dass hier irgendetwas nicht stimmt, der sammelt drei Monate lang die Kassenzettel und mittelt.
  • Einige Ausgaben fallen nicht monatlich an, sondern vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich. Man kann sie auf 12 Monate verteilen, um die monatlichen Durchschnittskosten zu kennen – dann stimmen die tatsächlichen Ausgaben aber nicht mehr. Oder man legt für jeden Monat eine eigene Spalte in der Finanzausgaben-Excel-Tabelle an – das ist etwas aufwendiger. Wofür die Entscheidung auch ausfällt: Man sollte sich bewusst sein, welchen Weg man gewählt hat.
  • Jeden Monat einen fixen Sparbetrag zur Seite zu legen – sei es nun auf ein Extrakonto, ins Sparschwein oder als weitere Tabellenspalte in Excel – hilft bei unvorhergesehenen oder größeren unregelmäßigen Ausgaben wie Renovierungskosten, Autoreparatur oder Weihnachtsgeschenke.
  • Ähnlich kann ein Urlaubskonto geführt werden, für das jeden Monat ein fixer Betrag eingeplant wird. Die sonst für Selbstständige so schmerzhaften Urlaubskosten werden so ein gutes Stück erträglicher.

Wer nun fleißig ausgerechnet hat, wie viel er zum Leben so (ver)braucht, sieht nun mit einem Blick auf die Einnahmen, ob das eigene Geschäftsmodell gut aufgeht. Sieht es etwas eng aus, dann kann die genaue Aufdröselung auch dabei helfen, herauszufinden, wo gespart werden kann. Wer dabei dann – wie das vor den Eltern stehende Kind – nicht genau weiß, ob die 67 Euro jeden Monat für Kleidung viel sind, der werfe einen Blick auf die durchschnittlichen Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland. In der Tabelle seht ihr die vom statistischen Bundesamt herausgegebenen Zahlen für 2018.

Einladung zum Bon-Watching

Für heute Abend gilt also: Bon-Watching statt Binge-Watching! Kramt die alten Bons aus dem Portemonnaie, sucht alle alten Onlinerechnungen aus Posteingang und Papierkorb, scrollt bis zum Boden der Online-Banking-Kontoübersicht. Und dann rechnet ihr zusammen: Was kostet mein Leben?

Wir wollen uns noch mit anderen Ansätzen der Kalkulation auseinandersetzen. Wenn ihr Fragen habt, schreibt uns gern an freienbibel@freischreiber.de

Bild: shutterstock.com | Africa Studio

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