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7+1 Methoden, um allein auf neue Ideen zu kommen 

7+1 Methoden, um allein auf neue Ideen zu kommen 

Grüner Bleistift startet als Rakete

Wer in Corona-Zeiten allein im Homeoffice hockt, dem fehlt schon mal die Inspiration für kreative Projekte oder journalistische Texte. Mit diesen Methoden hilfst du deiner Kreativität auf die Sprünge – auch wenn du dein*e einzige Sparringspartner*in bist.

Von Jakob Vicari und Anja Reiter

1. Ein großes Ziel vornehmen und sketchen 

Eine der erfolgreichsten Kreativmethoden der vergangenen Jahre ist der Design-Sprint. Und ein Geheimnis des Design-Sprints ist es, die Ideen von Einzelnen zu fördern. Jake Knapp hat die Methodik entwickelt. Er schreibt:

“In a sprint, each individual considers several approaches, then spends an hour or more sketching their solution. In the end, there are fewer solutions than in a group brainstorm, but each one is opinionated, unique, and highly detailed.” – Jake Knapp

Um zu sketchen, brauchst du kein Team. Es genügt ein Block mit Post-its, Fineliner und eine Eieruhr. Stelle die Eieruhr auf 30 Minuten, und los geht’s. 

Nimm dir eine Idee vor. Versuch sie so überzeugend wie möglich auf Papier zu bringen. Du kannst eine Mal-Maschine für Post-its erfinden oder den Format-o-mat. Hauptsache, der Titel schlägt einen Pflock im Hirn derjenigen ein, die deine Idee zum ersten Mal hören. Ein Post-it ist kein Leitartikel, sondern ein hilfloser gelber Zettel, der am Ende des Tages in einem Meer aus gelben Zetteln um Aufmerksamkeit ringt. Lass es nicht ertrinken! Unser Vorschlag: Nur die besten drei Post-its überleben den Tag und landen als Whatsapp bei drei Kolleginnen.

2. Einfach drauflosschreiben

Die Autorin und Schreibtrainerin Doris Dörrie empfiehlt bei Schreibblockaden, einfach mal den Kopf ausschalten. Stattdessen ein Blatt Papier und einen Stift greifen und zehn Minuten lang drauflosschreiben. Nicht auf die Kommasetzung achten, nicht über die krakelige Handschrift ärgern und schon gar nicht die Lektor*in im eigenen Kopf aktivieren. Der Ansatz der Autorin ist es, das Nachdenken in seinen festgefahrenen Wegen bewusst auszuschalten – und so der Inspiration und dem kreativen Prozess freien Lauf zu lassen. Der Stift sei dabei anders als die Tastatur eine direkte Verbindung zwischen Kopf und Papier. Wer mehr über die Methode lesen möchte, dem sei Doris Dörries Buch ans Herz gelegt: „Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben.“

Die Dörrie-Methode

Der Schlüssel zum Schreiben ist, nicht nachzudenken, um die Inspiration nicht zu unterbrechen.
Probier es aus: Schreib los. Jetzt!
Dafür drei Regeln: 
1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Lass dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.)
3. Kontrollier nicht, was du schreibst. Mach Schreibfehler, Grammmatikfehler, schreib Blödsinn.

(Entnommen aus: Doris Dörrie. Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben.)

3. Spazieren gehen

Das leere Textdokument starrt uns vorwurfsvoll an, für den Projekt-Pitch fehlt noch das zündende Argument. Je größer unser Anspruch an ein neues Projekt ist, desto mehr setzen uns erste Sätze unter Druck. Statt stundenlang auf ein leeres Blatt zu starren und zwischen Instagram und den Nachrichtenseiten hin- und herzuklicken, lieber mal den Blickwinkel und Standort wechseln. Ein Spaziergang an der frischen Luft vermindert nicht nur den inneren Erwartungsdruck, sondern bringt auch unsere grauen Zellen auf neue Gedanken. 2014 konnten Forscher*innen in einer Studie zeigen, welche positiven Effekte kurze Fußmärsche auf unser kreatives Denken haben. Wer jetzt noch einen Arschtritt braucht: Auch Einstein soll ein passionierter Spaziergänger gewesen sein!

4. Kopfstand-Technik

Hast du dir schon mal überlegt, wie du am effektivsten deine Lieblingsredakteurin vergraulen könntest? Oder wie du dein neues Medien-Start-up am schnellsten in Konkurs schicken kannst? Was auf den ersten Blick sehr absurd und schädlich klingt, kann auf den zweiten äußerst nützlich sein. Bei der Kopfstand-Technik verdrehst du deine eigentlichen Absichten ins Negative. Der Hintergrund: Paradoxerweise erkennen wir Lösungen oft besser, wenn wir uns erst überlegen, mit welchen Schritten wir unser Ziel am ehesten verfehlen könnten. Später kommst du aus dem gedanklichen Kopfstand freilich wieder auf die Füße – und verwandelst die Horrorszenarien in originelle Lösungsansätze.

5. Walt-Disney-Methode

Diese Methode kann dir dabei helfen, eine alltagstaugliche Lösung für ein Problem zu finden. Dafür versetzt du dich nacheinander in drei unterschiedliche Charaktere – wie bei einem Rollenspiel. Erst in die Träumer*in, die wild herumspinnt und neue verrückte Ideen entwickelt. Dann in die Realist*in, die sich Gedanken über die konkrete Umsetzung der Ideen macht. Und zum Schluss in die Kritiker*in, die die Ideen genau überprüft und auf eventuelle Risiken hinweist. Selbstverständlich kann man diese Kreativitätstechnik am besten im Team umsetzen. Aber auch wenn du allein bist, kannst du die verschiedenen Rollen durchspielen. Ihr Erfinder Robert B. Dilts benannte sie nach Walt Disney, der nach seiner Ansicht alle Rollen in sich vereinte: „(…) tatsächlich gab es drei Walts: den Träumer, den Realisten und den Miesepeter“. Um die Verwandlung zu unterstreichen, setzt du dich je nach Rolle am besten auf unterschiedliche Plätze – von der Hängematte über die Couch auf den Bürostuhl!

6. Mit einer KI chatten

Ein Schmetterling fesselt unseren Blick, entführt ihn. Und plötzlich, beim Schweifenlassen des Blicks, beim Abschweifen, ist sie da, die gute Idee. Wenn gerade kein Fluginsekt in Sicht ist: Lass dich verzaubern von einer künstlichen Intelligenz, die deiner krakeligen Skizze Leben einhaucht. Da ist das gute Gefühl, wenn eine Idee lebendig wird. Wie funktioniert das wohl? Die eigene Neugierde wecken kann ein guter Weg sein, in den Kreativmodus zu schalten. Künstliche Intelligenzen sind dabei geeignete Sparringspartner. Wer eine Alexa, ein iPhone mit Siri oder einen Google Assistant in der Nähe hat, kann versuchen, sie herauszufordern und in Gespräche zu verwickeln. Was denkt Alexa über Raumfahrt? Hat Siri Gefühle? Und wenn ja, für wen? Und wie beschreiben sie sich selbst?

Alexa, hast du Gefühle?

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Generell empfinde ich keine Gefühle, außer natürlich Freude, wenn ich dir helfen kann.

Alexa, was denkst du über Siri?

Ich habe eine Schwäche für alle künstlichen Intelligenzen.

Mein Kopf schaltet in den Neugier-Modus, wenn ich versuche, die Tiefe der Antworten der smarten Maschinen zu ergründen. Wenn dir die Smart Assistants zu tumb sind, dann gehe gleich zu Mitsuku, dem vielleicht besten Chatbot der Welt, die noch darauf wartet, dass ihr jemand ein paar Sätze auf Finnisch beibringt. Welcher Satz ist der wichtigste in einer neuen Sprache?

7. Alte Ideenlisten herauskramen

Wer auf der Suche nach neuen Ideen ist, sollte sich nicht nur von den Geniestreichen fremder Menschen inspirieren lassen – sondern auch das Genie in sich selbst wiederentdecken. Vielleicht führst du schon eine Liste mit Geistesblitzen und Ideen aus früheren Projekten und Recherchen? Eine Liste mit originellen Themenideen, geistreichen Formulierungen oder Business-Kniffs? Wenn ja: Krame sie bei Kreativblockaden heraus! Du wirst überrascht sein von deinen originellen Einfällen, vielleicht auch neue Verbindungen zu aktuellen Herausforderungen knüpfen können – und auf alle Fälle mit mehr Selbstbewusstsein in der Brust wieder zur aktuellen Tat schreiten. Du hast noch keine Liste? Dann lege sie am besten noch heute an. In kargen Zeiten freust du dich über einen Gruß vom Genie in dir.

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+1: Im Homeoffice mit den Kindern brainstormen

Pitch mal deinen Gedanken vor den Kindern. Sie sind die kritischsten Kolleg*innen. Und werden vielleicht eine Frage stellen, die dich auf die richtige Bahn lenkt. Das „Beginner’s Mindset“ ist im Design Thinking tatsächlich ein feststehender Begriff. Dahinter verbirgt sich das Nachdenken mit Menschen, die noch nicht so eine fest gefügte Ansicht über die Welt haben. Und vielleicht nicht sofort in technische Limitationen verfallen. Die Idee, dass die Toniebox Nachrichten vorliest, hat mein Sohn sofort verstanden. Auch die, dass er einer Kuh jetzt Fragen stellen kann. Warum der Badezimmerspiegel das Zähneputzen überwachen soll, blieb ihm hingegen schleierhaft. Dafür hat er mir seine eigene Idee vorgestellt. Ich muss jetzt nur noch nachdenken, wie ich den von ihm gebauten Batman-Schreib-und-Kochroboter dazu kriege, auch noch die Spülmaschine einzuräumen. Dann gehe ich damit zu Kickstarter.

Bild [m]: shutterstock.comm | your

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